Ergebnisse der Validierung
Mit den gewonnenen Studiendaten wurden verschiedene DGL-Ansätze des Mehrparametermodells validiert.
Die Analysen ergaben, dass die untersuchten Funktionenklassen bei patientenspezifisch angepassten Parametern grundsätzlich in der Lage sind, den INR-Verlauf als Funktion darzustellen; siehe Abbildung 7 als Beispiel für einen stabilen Patienten und Abbildung 8 als Beispiel für einen Patienten mit einem höheren Anteil an kurzfristigen Sondereinflüssen.
Bei Kenntnis der PPC-Abbaurate eines Patienten wurde die Prognosefähigkeit des Ansatzes geprüft. Dabei wurde aus Dosierungen und INR-Werten bis zu einem Zeitpunkt ti ein patientenspezifisches mathematisches Modell für die funktionelle Abhängigkeit des INR-Wertes von Wirkstoffgaben erstellt. Mit diesem wurden Prognosen für den INR-Wert zu zukünftigen Zeiten t > ti erstellt und mit dem tatsächlichen Verlauf ab diesem Zeitpunkt verglichen.
Wie zu erwarten, verbessert sich die Prognosegüte, je mehr Daten für einen Patienten bekannt sind und je weniger kurzfristige Sondereinflüsse den Verlauf beeinflussen siehe dazu Abbildung 9, 10, 11 für einen stabilen und Abbildung 12 und 13 für einen weniger stabilen Patienten.
Der Abbau einer PPC-Konzentration c0 im Blutplasma lässt sich bekanntlich gut durch die Funktion c0e-λ1t darstellen. Bei λ1-Werten um 0,1 bedeutet das, dass eine Ausgangskonzentration nach 7 Tagen erst zu ca. 50% abgebaut ist. Das demonstriert noch einmal eindrucksvoll den in beschriebenen Effekt der Zeitverzögerung (Abbildung 14).
Zusammenfassend ergab die Validierung eine patientenspezifische funktionale Darstellung des INR-Wertes in Abhängigkeit von der Dosierung also
Die Ergebnisse der Studie mit 18 Patienten zeigen, dass es grundsätzlich möglich ist, die funktionelle Abhängigkeit der INR-Werte von Dosierungen in der Vergangenheit darzustellen. Die betrachteten Funktionenklassen passen sich an die spezifischen Verhältnisse eines Patienten an, je mehr Daten zur Verfügung stehen. Sie eignen sich deshalb, um patientenspezifische Dauerdosen zu ermitteln, die zeitverzögerte Auswirkung von Dosierungen zu beachten, kurzfristige Sonderentwicklungen von langfristigen Trends zu unterscheiden, die Auswirkung von Sonderdosierungen (Stoßdosen) zu berechnen und vorausschauend auf drohende Abweichsituationen zu reagieren.
Diese Modelle scheinen also geeignet zu sein, den Kern eines Expertensystems zu bilden.
L. Cromme, H. Völler, F. Gäbler, A. Salzwedel, U. Taborski: Computer-aided dosage in oral anticoagulation therapy using phenprocoumon - Problems and approaches. Schattauer, Hämostaseologie, 4/2010, S. 183-189, ISSN 0720-9355